Liest man heute in Zeitungen die Mitteilungen über häusliche Gewaltakte gegenüber Frauen, diskutiert man im Freundeskreis die Scheidung des Bekannten von nebenan oder sitzt man einfach nur in einem Kaffee und beobachtet «Liebespaare», die sich am Handy fungierend anschweigen, könnte man dazu neigen zu fragen, wie dies wohl früher war: alles anders, echter und problemloser? In den vier ausgewählten Werken unseres Konzertabends zeigen wir, das dem nicht so ist. Migrationsprobleme, Intrigen und rasende Eifersucht in «Otello», Geldgier und Habsucht eines Familienangehörigen und Flucht aus der vertrauten Gesellschaft in «Manon Lescaut» und Treuebruch eines Armeerückkehrers, der seinerseits selber von seiner ehemalig Versprochenen verlassen wurde in «Cavalleria Rusticana» könnten heute genauso stattfinden, wie die Erzählungen aus den vergangenen zweihundert Jahren. Wagners «Die Walküre» lässt der Frucht von Geschwisterliebe den Helden Siegfried gebären und erzählt damit auch die Geschichte eines Tabuthemas in der Sexualität. Solche gibt es heute in verschiedensten Formen, reich dokumentiert und kommentiert in der täglichen Presse.

Komplizierte Liebesgeschichten sind dem Menschen so nahe, wie kaum etwas anderes im Leben. Für uns Grund genug, dies in grosser Authentizität und Leidenschaft dem Zuhörer vorzutragen. Nicht mit einem moralinen Zeigefinger sondern in einer einfachen und ehrlichen Art der Erzählung. Es sind nicht die grossen bekannten Duette aus «La Bohème» oder  «Traviata», nicht die berühmten Arien aus «Turandot», «Aida» oder «Carmen», die man als Zuhörer immer gerne hört, aber bestimmt schon oft gesehen und genossen hat. Die von uns ausgewählten Stücke sind zwar weniger bekannt, aber an Schönheit nicht minder bestückt. Die Intensität der Musik, die szenischen Möglichkeiten sind gross und damit für das Publikum interessant.